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Rodenberg

Mit 211 Einwohnern ist Rodenberg der kleinste Ortsteil und mit einer Fläche von ca. 251,7 Hektar auch die kleinste Gemarkung in der Gemeinde Greifenstein. Der Ort liegt am Südhang des "Wittgenberg" (477 m ü. NN) auf einer Höhe von 456 m über NN und gehört naturräumlich zum "Hohen Westerwald".

Nach Auskunft des Hess. Hauptstaatsarchivs wurde Rodenberg erstmals am 24. Juni 1315 urkundlich erwähnt. In der lediglich in einer Abschrift aus dem 18. Jahrhundert vorhandenen Urkunde genehmigt Graf Heinrich von Nassau, daß der edle Knecht Gotfrid von Walderdorff seiner Frau Schatze die Güter in Rodenberg und Heisterberg, die er von ihm als Mannlehen besitzt, zu Wittum (Witwenversorgung) anweist.

Vermutlich ist unser Gebiet in der Zeit ab 800 n. Chr. besiedelt worden. Scherbenfunde im Bereich der Wüstung "Fudenhausen" konnten ins 11. bis 14. Jahrhundert datiert werden. Teile dieser ehemaligen Wohnsiedlung sind nach dem "Goldenen Buch der Gemeinde" im Mittelalter an Rodenberg gefallen.

Die Wüstung "Fudenhausen" selbst liegt heute in der Gemarkung Seilhofen. Warum die Wohnsiedlung kurz vor dem 30jährigen Krieg aufgegeben wurde, ist nicht bekannt. Vielleicht waren es wirtschaftliche Gründe, welche die Bewohner dazu veranlaßten, ihr Wohngebiet zu verlassen. Möglicherweise war es auch eine Seuche, welche nach einer Sage die Siedlung heimsuchte. Es habe demnach nur eine Überlebende gegeben, welche die Seilhofener aufgenommen hätten, weshalb die Ländereien an Seilhofen gefallen sein sollen.

Eine andere mündliche Überlieferung berichtet über eine alte, kranke und verlassene Greifensteiner Burgfrau, die den Seilhofenern ein Waldstück in der "Buchenstruth" unweit der Wüstung "Fudenhausen" geschenkt habe, weil diese sich um sie gekümmert und sie gepflegt hätten. Inwieweit hier eine Verbindung besteht, ist nicht bekannt. Jedenfalls hat es über dieses Waldstück einen langjährigen Streit zwischen Seilhofen und Rodenberg gegeben, der durch einen Vergleich am 20. Oktober 1767 sein Ende fand. Danach fielen 7 1/2 Morgen der "Buchenstruth" an die Gemeinde Seilhofen, während die restlichen 37 1/2 Morgen bei Rodenberg verblieben. Gleichzeitig verzichtete Rodenberg auf die Koppelhut (gemeinschaftliches Beweidungsrecht) an einer ebenso großen Fläche (37 1/2 Morgen) im Bereich der Viehweide im "Seilhoffer Holtze".

Die verbliebene Koppelhut im "Salwer Holz" führte jedoch am 1. Oktober 1785 beinahe zu einem Krieg zwischen den Bewohnern beider Orte als die Seilhofener den auf dieser Fläche im Frühjahr ausgesäten Hafer einfahren und die Rodenberger sie mit Heugabeln, Dreschflegeln, Hacken und Äxten bewaffnet hieran hindern wollten. Es kam zu einem Kampf, bei dem jedoch wohl weniger Blut floß als möglich gewesen wäre. Wie der Streit um den Hafer nach dem Eingreifen der Verwaltungsbehörden endete, ist nicht bekannt. Nach der "Consolidirung" (Flurbereinigung), die zwischen der Gemeinde Rodenberg und dem Feldmesser Knögel von Neunkirchen am 9. Juni 1804 vereinbart wurde, und die etwa zeitgleich auch in Seilhofen stattfand, bestanden in beiden Gemarkungen jedenfalls keine gemeinsamen Huterechte mehr.

Über die neuere Geschichte des Dorfes zeugen die Chroniken der Schullehrer von Rodenberg, die von dem Elementarlehrer Johannes Jung im Jahre 1820 und Lehrer Müller im Jahre 1896 angefangen wurden. Hieraus einige Daten:

 
1743
 Errichtung des alten Schulhauses
 
1822
 Anlegung der ersten Baumschule
 
1866
 Nervenkrankheit befällt fast ein Drittel der Einwohner, an ihr sterben sechs Einwohner
 
1906
 Verlegung von Wasserleitungen
 
1921/1922
 Schulhausneubau
 
23.12.1921
 Elektrisches Licht in Rodenberg
 
15.12.1922
 Beschaffung einer Dreschmaschine
 
16.10.1931
 Einweihung des Kriegerehrenmals am "Heiligenstock"
 
24.05.1934
 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rodenberg
 
04.02.1944
 Amerikanische Bomber überfliegen Rodenberg und werfen Bomben ab, die am östlichen Dorfrand einschlagen, eine Bombe zerstört den Dreschschuppen
 
26.03.1945
 Gefechtstätigkeit zwischen amerikanischen Panzerverbänden und deutschen Truppen, die Schule wird in einem größeren Maße beschädigt
 
1950
 Sanierung des Backhauses, Einbau eines neuen Backofens
 
1951
 Asphaltierung und Kanalisierung der Dorfstraße Aufschluß der Tongrube "Eva"
 
1952 – 1954
 Flurbereinigung
 
1956
 Friedhofserweiterung
 
10.11.1957
 Einweihung des neuen Kriegerehrenmals auf dem Friedhof
 
04.09.1965
 Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses
 
01.12.1966
 Schließung der Schule, die Rodenberger Kinder gehen in die Mittelpunktschule nach Beilstein
 
23.08.1968
 Gründung der Sportvereinigung Seilhofen/Rodenberg
 
1971
 Errichtung der Leichenhalle
 

 Durch Grenzvertrag kommt Rodenberg ab dem 01.10.1972 zur Gemeinde Beilstein. Im Rahmen der Gebietsreform in 1977 wird Rodenberg zusammen mit den anderen neun Ortsteilen Bestandteil der heutigen Gemeinde Greifenstein.

Das kulturelle Leben vor Ort wird in erster Linie durch die Arbeit der beiden örtlichen Vereine, der Freiwilligen Feuerwehr und der Spielvereinigung Seilhofen/Rodenberg, bestimmt. Am 23.05.1998 konnte in Rodenberg auch eine Jugendfeuerwehrabteilung gegründet werden.

Nachdem im Mittelalter Teile der Wüstung Fudenhausen an Rodenberg gefallen waren, verzeichnete man 132 Einwohner. In seiner "Beschreibung des Herzogtums Nassau" von 1843 gibt C. D. Vogel die Einwohnerzahl mit 165 an. Kurz vor dem letzten Weltkrieg sollen 180 Menschen in Rodenberg gewohnt haben. Insbesondere durch den Zuzug von Flüchtlingen soll sich die Zahl auf 198 im Jahre 1950 erhöht haben. Heute wohnen hier ca. 220 Menschen.

Im Ortskern ist die ursprüngliche Anlage als Haufendorf noch erkennbar. Diese Struktur hat sich in den Randbereichen seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Bebauung, westlich der "Driedorfer Straße", entlang der Gemeindestraßen "Hohler Weg" und "Zum Köppelchen" gelockert. Durchbrochen wurde sie letztendlich durch die Bebauung der "Schulstraße" seit Ende der 60er Jahre, in deren Verlängerung sich das Neubaugebiet "Vorm Hohenstein" anschließt. Durch die geplante Ausweisung und Erschließung eines Baugebietes am nordwestlichen Ortsrand im Gemarkungsbereich "Auf dem Grünacker" soll vor allem dem Wohnbedarf der ortsansässigen Bevölkerung Rechnung getragen werden. Hier werden aller Voraussicht nach ca. ein Dutzend Baugrundstücke entstehen.

Wurde bis Mitte des letzten Jahrhunderts noch in fast jedem Haushalt Landwirtschaft betrieben, so sind in Rodenberg heute kaum noch landwirtschaftliche Betriebe vorhanden; es gibt lediglich noch einen Aussiedlerhof und einzelne Nebenerwerbsbetriebe. Auch Gewerbe und Handwerk sind nur in einem untergeordneten Maß vorhanden, so daß der Ort fast ausschließlich dem Wohnbedarf der ortsansässigen Bevölkerung dient.

Steffen Schenk

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