Mehr Kinder in die Kitas: Jugendämter schaffen Zwei-Stufen-Plan für Kommunen im Lahn-Dill-Kreis

Der Lahn-Dill-Kreis informiert:

Schrittweises Herantasten wahrt Flexibilität in der Anpassung / Neue Landesverordnung zur Kinderbetreuung gilt ab dem 2. Juni 2020

Wetzlar/Dillenburg/Herborn (ldk): Die Träger der Jugendhilfe im Lahn-Dill-Kreis, das Kreis-Jugendamt und das Jugendamt der Stadt Wetzlar, sind sich einig: Es soll ein kreisweit einheitliches Konzept zur Kinderbetreuung im Lahn-Dill-Kreis geben. Die neue Landesverordnung bildet mit den Hygieneempfehlungen zum Schutz von Kindern und Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen die Grundlage, wie ab dem 2. Juni 2020 mit der Betreuung von Kindern umzugehen ist. Der sogenannte „eingeschränkte Regelbetrieb“ ist in enger Abstimmung zwischen HMSI und den kommunalen Spitzenverbänden vereinbart worden und berücksichtigt die Bedingungen des Infektionsschutzgesetzes.

„Wir standen lang in den Startlöchern, jetzt konnten wir die am Dienstag ergangene Verordnung, auf die wir dringend gewartet haben und die am Mittwoch nachgereichten Hygieneempfehlungen endlich bewerten und an unsere Gegebenheiten und Bedürfnisse in der Region anpassen. Gemeinsam mit der Stadt Wetzlar, die für ihren Bereich Träger der Jugendhilfe ist, haben wir einen Zwei-Stufen-Plan entworfen. Damit stellen wir den Kita-Trägern im Landkreis eine klare Empfehlung zur Verfügung, die ihnen hilft, ihre Verantwortung vor Ort wahrzunehmen“, verkündet Kreis-Sozialdezernent Stephan Aurand am Donnerstagnachmittag. Fest stehe: Ab der kommenden Woche können mehr Kinder in den Kitas im Landkreis betreut werden. „Wir haben einen Plan auf den Weg gebracht, der atmet. Das bedeutet, dass dieser von unseren Trägern angepasst werden kann“, führt Aurand fort. So habe man sich beispielsweise nicht auf eine feste Größe der Gruppen in den Einrichtungen festgelegt.

Die enge und koordinierte Zusammenarbeit des Landkreises mit seinen 23 Kommunen erweist sich auch beim Thema der Kinderbetreuung als sinnvoll. „Eine einheitliche Regelung gibt Sicherheit. Wir wollen natürlich die Eltern im Landkreis bestmöglich entlasten. Aber auch die Träger der Kitas und die Kindertagespflege benötigen eine gute Struktur, nach der sie mit den Lockerungen in einer Zeit, in der das Virus nach wie vor existent ist sowohl mit Blick auf die zu betreuenden Kinder als auch die Mitarbeitenden im Erziehungsdienst angemessen und verantwortungsbewusst vorgehen können“, unterstreicht der Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar, Manfred Wagner. „Dabei war uns auch die fachliche Expertise des Kreisgesundheitsamtes eine wesentliche Orientierung“, fährt Wagner fort.

Landkreis und Kommunen haben sich darauf verständigt, die aktuell festgelegten Regelungen für die Kinderbetreuung zunächst für zwei Wochen, bis zum 16. Juni 2020, gelten zu lassen. Man wolle Schritt für Schritt gehen, eine flexible Handhabung beibehalten und parallel die Entwicklungen im Lahn-Dill-Kreis, aber auch auf Landes- und Bundesebene beobachten.

Kinderbetreuung im Lahn-Dill-Kreis: Welche Änderungen kommen?

Mit der zwölften Änderungsverordnung zu Anpassung der Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus des Landes Hessen, die den Städten und Landkreisen nebst den Hygieneempfehlungen seit Mitte dieser Woche vorliegt, sind die Rahmenbedingungen bekannt, unter welchen Umständen die weitere Öffnung, die seitens des Landes als eingeschränkter Regelbetrieb der Kitas und Kindertagespflege bezeichnet wurde, ab dem 2. Juni 2020 erfolgen kann.

Mehr Kinder können betreut werden: Zwei-Stufen-Plan regelt Ablauf

Ab dem 2. Juni haben mehr Eltern im Lahn-Dill-Kreis die Möglichkeit ihre Kinder betreuen zu lassen. Die beiden Jugendämter des Kreises und der Stadt Wetzlar haben sich darauf verständigt, die nach der bindenden Festlegung der Verordnung des Landes Hessen noch freien Kita-Plätze nach einem Zwei-Stufen-Plan zu vergeben. Demnach können ab dem kommenden Dienstag im Rahmen der jeweiligen Betreuungskapazitäten vor Ort zusätzlich folgende Kinder im Lahn-Dill-Kreis betreut werden:

Vorschulkinder, also Kinder, die sich im Übergang zur Grundschule befinden

Sind die Vorschulkinder untergebracht und nach wie vor Plätze frei, können zusätzlich Kinder betreut werden, wenn nur ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeitet und der zweite Elternteil nicht voll berufstätig ist.

Mit Stufe zwei des Plans haben sich die Jugendämter darauf verständigt, die in der neuen Verordnung getroffene Entscheidung (beide Elternteile müssen voll berufstätig sein) flexibel zu handhaben und auch diesen Betroffenen weiterhin eine Betreuung zu ermöglichen.

Da in vielen Einrichtungen aufgrund der Pandemie nicht der gesamte Personalbestand zur Verfügung stehen kann und es gilt, auch mehr Raum für die Kinder zu schaffen – trotz aller Schwierigkeiten Abstandregelungen einzuhalten – wird eine Vollbelegung der Kitas im Landkreis nicht möglich sein. Auch die verschärften Hygienemaßnahmen tragen dazu bei, dass Betreuer und Betreuerinnen zusätzlich mit einem größeren Arbeitsaufkommen zu rechnen haben. Die generelle Größe der Kita-Gruppen soll deshalb weiterhin reduziert bleiben.

Für Kitas im Lahn-Dill-Kreis wurde daraufhin für den Zeitraum vom 2. bis 16. Juni 2020 ein Orientierungsrahmen für die Gruppengrößen vereinbart, der die genannten Einschränkungen bzw. Vorgaben berücksichtigt und sich im Wesentlichen an den fachlichen Einschätzungen der Jugendamtsleitungen auf Landkreistags- und Städtetagsebene orientiert. Dennoch wird in einem ersten Schritt eine merkliche Erweiterung der bisherigen Notbetreuung ermöglicht:

Regelgruppen: Max. 14 Kinder

Krippengruppen: Max. 10 Kinder

Waldkindergartengruppen: Max. 14 Kinder

„Uns ist es wichtig, den Trägern diesen Zwei-Stufen-Plan zur guten Orientierung an die Hand zu geben. Auch Eltern können sich auf Grundlage des Plans darauf einstellen, wie es in der kommenden Woche mit der Betreuung im Landkreis weitergeht“, erklärt der Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar, Manfred Wagner. Die Jugendhilfeträger im Lahn-Dill-Kreis, das Kreis-Jugendamt sowie das Jugendamt der Stadt Wetzlar, mussten sich innerhalb kürzester Zeit mit den Kommunen abstimmen. „Wir sind zu einem Konsens gekommen“, fasst Frank Inderthal, Sprecher der Bürgermeister des Lahn-Dill-Kreises, zusammen. „Es ist wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen, zu beobachten und Erfahrungen zu sammeln. Über mögliche weitere Lockerungen ist somit im 14-tägigen Abstand zu reden. Anpassungen können dadurch flexibel und schnell umgesetzt werden“, fährt er fort.